Kennzahlen richtig lesen Drei Kennzahlen für eine erste Einordnung
Ob eine Immobilie wirtschaftlich interessant sein kann, lässt sich nicht an einer einzigen Zahl festmachen. Für einen ersten Vergleich helfen jedoch Bruttomietrendite, Kaufpreisfaktor und eine vereinfachte Renditebetrachtung. Kaufnebenkosten, nicht auf den Mieter umlegbare Eigentümerkosten, Instandhaltung, möglicher Leerstand und Finanzierung müssen dabei je nach Kennzahl zusätzlich betrachtet werden. Verwaltungskosten sowie Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten gehören nach § 1 BetrKV nicht zu den Betriebskosten.
Bruttomietrendite – wie viel Jahresmiete steht dem Kaufpreis gegenüber?
Zuerst wird die monatliche Nettokaltmiete auf ein Jahr hochgerechnet. Anschließend wird diese Jahresnettokaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis gesetzt.
Schritt 1 Monatliche Nettokaltmiete × 12 Monate= Jahresnettokaltmiete
Schritt 2 Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100= Bruttomietrendite in Prozent
Beispiel 1.000 € Nettokaltmiete im Monat× 12 Monate= 12.000 € Jahresnettokaltmiete12.000 € Jahresnettokaltmiete÷ 300.000 € Kaufpreis × 100= 4,0 % Bruttomietrendite
Die Bruttomietrendite eignet sich gut für einen ersten Vergleich verschiedener Immobilien. Kaufnebenkosten, laufende Eigentümerkosten, Finanzierung und spätere Investitionen sind darin allerdings noch nicht berücksichtigt.
Kaufpreisfaktor – wie oft steckt die Jahresmiete im Kaufpreis?
Beim Kaufpreisfaktor wird der Kaufpreis durch die Jahresnettokaltmiete geteilt. Die Kennzahl zeigt damit, dem Wievielfachen einer Jahresnettokaltmiete der Kaufpreis entspricht.
Berechnung Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete= Kaufpreisfaktor
Beispiel 300.000 € Kaufpreis÷ 12.000 € Jahresnettokaltmiete= Kaufpreisfaktor 25
Das bedeutet: Der Kaufpreis entspricht in diesem Beispiel dem 25-Fachen der jährlichen Nettokaltmiete. Ein niedrigerer Faktor bedeutet zunächst, dass im Verhältnis zum Kaufpreis mehr Miete erzielt wird. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Immobilie die bessere Kapitalanlage ist. Zustand, Lage, Instandhaltungsbedarf und Vermietbarkeit müssen zusätzlich berücksichtigt werden.
Der Kaufpreisfaktor darf außerdem nicht mit einer tatsächlichen Amortisationsdauer gleichgesetzt werden, da laufende Kosten und weitere Aufwendungen in dieser einfachen Berechnung nicht enthalten sind.
Vereinfachte Renditebetrachtung – was bleibt nach ausgewählten Eigentümerkosten?
Für eine realistischere erste Betrachtung werden zunächst die jährlichen Kosten abgezogen, die beim Eigentümer verbleiben. Danach wird dieser verbleibende Jahresertrag ins Verhältnis zur gesamten Investition gesetzt.
Schritt 1 Jahresnettokaltmiete − angesetzte jährliche Eigentümerkosten= verbleibender Jahresertrag
Schritt 2 Verbleibender Jahresertrag ÷ gesamte Investition × 100= vereinfachte Rendite in Prozent
Beispiel 300.000 € Kaufpreis+ 30.000 € berücksichtigte Kaufnebenkosten= 330.000 € Gesamtinvestition12.000 € Jahresnettokaltmiete− 2.000 € angesetzte jährliche Eigentümerkosten= 10.000 € verbleibender Jahresertrag10.000 € Jahresertrag÷ 330.000 € Gesamtinvestition × 100= rund 3,0 % vereinfachte Rendite
Diese Betrachtung kommt der wirtschaftlichen Realität näher als die reine Bruttomietrendite, bleibt aber bewusst vereinfacht. Finanzierungskosten, Steuern, Leerstand, Mietausfälle und größere zukünftige Maßnahmen sind darin noch nicht enthalten.
Der Begriff „Nettomietrendite“ wird in der Praxis nicht überall nach derselben Methode berechnet. Deshalb verwenden wir hier bewusst die Bezeichnung vereinfachte Renditebetrachtung.